2035_1. Teil Funktionelle neurologische Störungen erkennen und behandeln
Einleitung
Stigmatisierende Kennzeichnungen wie psychogene, hysterische oder gar eingebildete Störung sind passé.
Dissoziative Störungen mit neurologischen Symptomen, auch als funktionelle neurologische Störungen (FNS, früher: Konversionsstörungen) bezeichnete Erkrankungen sind häufig und medizinisch relevant. Im klinischen Alltag werden sie oft übersehen bzw. nicht verstanden und nicht angemessen behandelt. Langjährige Behandlungsodysseen und unnötig chronifizierende Krankheitsverläufe sind ein typisches Merkmal. Ein wesentlicher Grund ist unser hochspezialisiertes Versorgungssystem mit seinem überwiegend monokausal-biomechanischen Krankheitsverständnis.
Schon das Ringen um vermeintlich zweifelsfreie Zuordnung als entweder körperlich oder psychisch sorgt dafür, dass Betroffene oft ratlos oder genervt weggeschickt bzw. weiter überwiesen werden. Sowohl auf Symptom- als auch auf Funktions-Ebene handelt es sich um Krankheitsbilder im Grenz- und Übergangsbereich somatischer und psychischer Erkrankungen. FNS erfordern eine konsequente, von vorneherein multimodal gestaltete Versorgung, die medizinischen und psychosozialen Erfordernissen wie aus einer Hand Rechnung trägt. Ein differenzierter psychiatrisch-psychotherapeutischer Beitrag ist dazu unerlässlich – allein schon mit Blick auf die hohe Komorbidität von Angst- und affektiven Störungen, funktionell somatischen, anderen dissoziativen Störungen und Traumafolgestörungen. Auch ohne erkennbare psychische Krankheitszeichen steht die Frage nach gezielten fachspezifischen Interventionen im Raum.
Da es sich in aller Regel um vielschichtige Erkrankungen handelt, profitiert die – im Versorgungsalltag sonst rasch von Inkonsistenzen belastete – Diagnose und Therapie von FNS von einem von vorneherein multimodal angelegten klinischen Vorgehen. Und das so unmittelbar, dass sich geradezu von dem störungsspezifischen Therapieansatz sprechen lässt. Neben den –differenzierteren - je fachspezifisch umzusetzenden Massnahmen sind transdisziplinär integrierte Versorgungsangebote angezeigt, die psychiatrische und psychotherapeutische, neurologisch und psychosomatische, neuropsychologische und funktionstherapeutische Behandlungsressourcen in Teamarbeit umsetzen. Einzelne Behandlungselemente werden dabei nicht einfach nur addiert, sondern unter allen Behandlern und mit den Betroffenen abgestimmt.
Ablauf und Inhalt
Aufbauend auf einem Überblick über die epidemiologischen Daten und auf einer Darstellung der typischen klinischen Bilder wird ein pragmatisches klinisches Behandlungsmodell vorgestellt, das die Einseitigkeit des weiterhin verbreiteten „Entweder-oder“ in ein differenziertes „Sowohl-als-auch“ überführt. Und sowohl fachspezifisch wie Disziplinen übergreifend ein klinisches Verstehen und Vorgehen erlaubt, das die je erforderlichen Massnahmen zu in sich stimmigen Interventionen zu bündeln vermag. Das bedeutet etwa für alle nicht primär psychotherapeutisch, etwa in den Funktionstherapien arbeitenden Fachpersonen, die eigenen Massnahmen so in einen Kontext mit Edukation, Erkennen und Umlernen zu stellen, dass Betroffene eigene Spielräume im Umgang mit ihren Symptomen erfahren und nutzen lernen, und ihre verloren gegangene, hilfreiche Beziehung zum eigenen Körper wieder finden.
Während die Sicherung der Diagnose durch den Nachweis positiver klinischer Zeichen neurologisch erfolgt, fällt die zuverlässige Führung Betroffener zumal in der ambulanten Versorgung zumeist ins hausärztliche Aufgabenfeld. Jenseits der je erforderlichen störungsspezifischen Behandlung begleitender psychischer Störungen geht es für psychiatrisch-psychotherapeutische Fachleute insbesondere darum, Betroffenen ein Verständnis für die – vielschichtigen - Zusammenhänge ihrer persönlichen psychosozialen Lebenswirklichkeit, ihrem Erleben und Handeln und den funktionellen Körpersymptomen zu vermitteln, individuelle Hemmungen zu hinterfragen und persönliche Ressourcen zu fördern, und sie bei der Entwicklung und Umsetzung neuer Lebensperspektiven zu unterstützen. Mit Blick auf die fundierte Bereitstellung einer zuverlässig integrierten Behandlung gehören zumal die psychiatrisch-psychotherapeutische Klärung und Wegweisung sowie Supervisionsaufgaben zu den fachlichen Kompetenz- und Aufgabenschwerpunkten. Aufgaben aller Beteiligten schliesslich sind die Förderung einer aktiven Vernetzung und die interdisziplinäre Weiter-/Fortbildung.
Die Veranstaltung richtet sich an klinisch Tätige aller interessierten Fachdisziplinen. Illustriert durch Videopräsentationen klinischer Fälle werden, insbesondere im ersten Seminar am 15. und 16.05.2026 unter Berücksichtigung der jeweiligen klinischen Erfordernisse und Ressourcen, interaktiv und praxisnah Kenntnisse und Fertigkeiten vermittelt, die Teilnehmerinnen / Teilnehmer den Weg zu einer zugleich fachspezifisch differenzierten wie fachübergreifenden Diagnostik und Therapie im eigenen klinischen Alltag eröffnen. Dabei liegt der Fokus - eingebettet in aktuelle Forschungsergebnisse und die aktuellen klinischen Verständnis- und Handlungsmodelle - auf den Aspekten, die für eine klinische Versorgung besonders wesentlich sind: Diagnostische Klärung – Das prädiktive Gehirn – Aktive Beziehungsgestaltung – Simulation und Krankheitsgewinn – Die unterdrückte Emotionalität – Die Sprache des Körpers – Die unerhörte Botschaft – Stolpersteine der Therapie – Spezifische Psychiatrisch-Psychotherapeutische Interventionen – Die Arbeit mit Bedingungsgefügen – Die Integrierte Therapie.
Eine Vorstellung eigener (Problem-)Fälle von Seiten der Teilnehmerinnen /Teilnehmer, die gemeinsam bearbeitet werden, ist im 2. Teil 2 am 11.und 12.09 2026 möglich.
Zielgruppe
Alle Fachpersonen und Interessierte
Referent
Prof. Dr. Roger Schmidt
Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, psychotherapeutische Medizin und für Rehabilitationsmedizin
Lurija-Institut für Rehabilitationsforschung, Universität Konstanz.
Veranstaltungsort
PDAG, Königsfelderstrasse 1, 5210 Windisch
Begegnungszentrum (O.1) Raum 110 CPF
Kursdaten und Zeiten
Freitag, 15. Mai & Samstag, 16. Mai 2026 jeweils 09-17 Uhr
Kosten
CHF 560.- inkl. Seminarunterlagen
Credits
12 Credits
SGPP) Weiterbildung (Vertiefung des psychiatrisch-psychotherapeutischen Wissens (WBP Ziff. 2.2.2) und
fachspezifische Fortbildung (FBP Ziff. 4.2 b und 4.3) vergeben.
Allgemeine Hinweise
Anmeldungen bitte bis Dienstag, 05. Mai 2026 über die PDAG Bildungsplattform.
Teilnahmebestätigungen können im Anschluss im Bildungstool abgerufen werden.
Veranstaltungsdaten
| Start / Ende | Veranstaltungsort | Anmeldefrist | Sprache | |||
| Freitag, 15.05.2026 09:00 - 17:00 |
Begegnungszentrum O.1 (1.OG) Nr. 110 (CPF)
PDAG, Königsfelderstrasse 1 5210 Windisch |
05.05.2026 | Deutsch | An der Veranstaltung anmelden | ||
| Samstag, 16.05.2026 09:00 - 17:00 |
Begegnungszentrum O.1 (1.OG) Nr. 110 (CPF)
PDAG, Königsfelderstrasse 1 5210 Windisch |
Folgetermin |